Digitalisierung, Editionen, Kooperationen

Max Liebermanns Briefe digital

Projektlaufzeit: 1. Januar 2024 – 31. Dezember 2024

Max Liebermann an Oscar Schmitz,
Postkarte, Berlin, 10. April 1915

In einem Kooperationsprojekt der Akademie der Künste, Berlin und der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V. sowie mit Unterstützung des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin werden alle Briefe von Max Liebermann im Akademie-Archiv digitalisiert, ediert und als open-access zur Verfügung gestellt.

Als Ergebnis jahrzehntelanger Recherchen veröffentlichte Ernst Volker Braun (geb. 1945) zwischen 2011 und 2021 neun Bände mit ca. 3.600 Briefen des impressionistischen Malers Max Liebermann (1847-1935). Die historisch-kritische Edition erschien als Schriftenreihe der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V. im Deutschen Wissenschafts-Verlag und umfasste alle bis dahin bekannten Schreiben von und an Liebermann.

Im Juli 2023 stellte die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V. als Träger der Liebermann-Villa am Wannsee einen erfolgreichen Projektantrag für das Förderprogramm Digitalisierung 2024 des Berliner Senats. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollten in einem ersten Schritt die Liebermann-Briefe aus dem Archiv der Akademie der Künste auf der Datenplattform museum-digital zugänglich gemacht werden.

Max Liebermann gehörte der Preußischen Akademie der Künste seit 1898 an. Mit seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 1920 begann eine neue Ära in der Geschichte der Institution, die sich nun modernen Kunstgattungen stärker öffnete, erstmals seit 100 Jahren wieder Frauen als Mitglieder aufnahm und mit der Gründung der Sektion für Dichtkunst 1926 eine bedeutsame Erweiterung erfuhr. Zudem modernisierte Liebermann die Ausstellungen, die seit dem Herbst 1920 wieder gleichermaßen Akademiemitgliedern und freien Einsendern offenstanden, und verhalf der Akademie in der Weimarer Republik zu neuer Geltung. Zum Ablauf des Geschäftsjahres 1931/32 verzichtete er jedoch auf eine weitere Kandidatur und wurde am 16. Juni 1932 zum Ehrenpräsidenten ernannt. Nachdem die Nationalsozialisten wenige Monate später an die Macht gekommen waren, legte Liebermann am
7. Mai 1933 die Ehrenpräsidentschaft nieder und trat aus der Akademie aus.

Ein schriftlicher Nachlass hat sich nicht erhalten. Daher gelten die Briefe Max Liebermanns als grundlegende Quelle zur Erforschung seines Lebens und Wirkens. Im Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, mit Museumsbeamten, Sammlern und Kunstvermittlern wird der weit gezogene Personenkreis sichtbar, in dem sich Liebermann bewegte, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Im Historischen Archiv der Akademie der Künste, aber auch in zahlreichen namhaften Personenbeständen des Baukunstarchivs, des Archivs Bildende Kunst, des Archivs Darstellende Kunst, des Literaturarchivs und des Musikarchivs befinden sich zurzeit 376 Briefe von Liebermann. So gibt es zum Beispiel Schreiben an den Architekturkritiker Adolf Behne, den Kunstsammler Oscar Schmitz, die Maler Philipp Franck und Robert Sterl, den Theaterkritiker Alfred Kerr und den Schriftsteller Heinrich Mann. Von besonderer Bedeutung sind die Briefe aus dem Historischen Archiv. Sie stellen einen wichtigen Fundus für die von Liebermann stark geprägte Akademiegeschichte der Weimarer Republik dar und geben mit seinem Rücktritt einen Ausblick auf die unrühmliche Gleichschaltung der Akademie durch das NS-Regime.

Im Archiv Bildende Kunst wurde vor einiger Zeit eine Max-Liebermann-Sammlung eingerichtet, die vor allem Briefe von und an Max Liebermann aus verschiedenen Provenienzen enthält. Erst kürzlich konnte sie durch ein größeres Konvolut des Sammlers Wolfgang Leicher (1951–2022) bereichert werden. Dieser hat nicht nur Briefe sowie Eintrittskarten, Postkarten und anderes Material zu Liebermann-Ausstellungen gesammelt, sondern auch in akribischer, jahrelanger Arbeit die weltweiten Ausstellungsbeteiligungen Max Liebermanns zwischen 1870 und 1945 recherchiert. Das Ergebnis wurde als Nachtragsband 9/II innerhalb der Briefedition publiziert. Auch die Sammlung von Ernst Volker Braun wird künftig im Archiv nutzbar sein. Neben originalen Autografen enthält sie umfangreiche Schriftwechsel mit vielen zusätzlichen Informationen zu Liebermanns Korrespondenzpartnern, zum Aufspüren der Liebermann-Briefe und zu zahlreichen Detailfragen. Bereits 2022 wurde die Katalogsammlung von Wolfgang Leicher für die Bibliothek erworben. Sie belegt die Ausstellungsbeteiligungen und enthält etliche Raritäten. In der Kunstsammlung der Akademie kann man sich ebenfalls ausführlich mit dem Werk Liebermanns befassen. Neben Zeichnungen, Druckgrafiken und zwei Skizzenbüchern befindet sich hier das bekannte Selbstbildnis mit Strohhut (Panamahut) von 1911. Damit hat sich das Akademiearchiv zu einem Zentrum der Liebermann-Forschung entwickelt.

Die Briefe wurden nach DFG-Standards digitalisiert und von Ernst Volker Braun für die Plattform museum-digital aufbereitet. Alle Schreiben werden mit Metadaten, zeilengetreuen Transkriptionen sowie wichtigen inhaltlichen Anmerkungen versehen, die zum Verständnis der Briefe entscheidend beitragen.

Das Projekt wird durch das Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS) betreut. Nach Abschluss der Bearbeitung sind die Briefe sowohl in museum-digital als auch in der Deutschen Digitalen Bibliothek verfügbar.

Ansprechpartnerinnen: Anke Matelowski, Ulrike Möhlenbeck

Förderprogramm Digitalisierung 2024 des Berliner Senats

Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V.

 

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